Nachrichten aus den Gemeinden St. Michael, Pinneberg, und Herz Jesu, Halstenbek

Gemeindebrief »miteinander unterwegs«


Dezember 2018

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Magnificat


Magnifikat – der Lobgesang Mariens aus Luthers Sicht. »Maria will nicht, dass du zu ihr kommst, sondern durch sie zu Gott«, so schreibt es Martin Luther im Brief an einen seiner Freunde.

Sie werden sich jetzt sicher fragen: Was hat Martin Luther mit Maria zu tun? Und doch denke ich, dass wir zumindest von dem, was Martin Luther über Maria sagt, für unsere Frömmigkeit, für unsere Spiritualität, etwas herausfinden können. Ich bin sicherlich katholisch erzogen worden. Und so gab es immer wieder mal auch ein Gebet zu Maria zu hören: »Engel des Herrn«, »Rosenkranz«, »Maiandacht« usw. Es war nicht übertrieben, halt norddeutsch nüchtern und klar. Maria gehörte irgendwie dazu und das war gut so. Aber auch nicht mehr und nicht weniger. Erst während des Studiums ist mir die Rolle Mariens klarer geworden, eben durch Martin Luther. Ich habe zwar in der Stadt Luthers, in Erfurt, studiert, aber seine Theologie erst in Rom entdeckt. In diesem einen Jahr in Rom wurde ein Seminar über die sogenannte Kreuzestheologie Luthers angeboten. Ziel des Seminars war es, einerseits die Theologie Luthers kennenzulernen und andererseits zu überprüfen, ob Luther dieser Theologie in seinen verschiedenen Schriften, in den Predigten, in seiner Auslegung der Bibel treu geblieben ist. Unter anderen hat Luther auch das Magnifikat, den Lobgesang Mariens, ausgedeutet. Ich war sehr überrascht, was Luther darüber schreibt und es fasziniert mich bis heute. Es ist jenseits allen Kitsches. Und es führt in die Tiefe, um die Rolle Mariens im Heilsplan Gottes zu erkennen.
Wir kennen die Frage Luthers »Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?«, die ihn stark beschäftigt hat. Auf der Suche nach einer Antwort darf er erkennen, dass alles, was wir tun, bei Gott seinen Anfang nimmt: »Sola Gratia«- allein aus Gnade. Aus eigener Kraft vermögen wir nichts zu tun. In diesem Moment mag die Frage auftreten: Treibt so ein Gedanke uns nicht in die totale Passivität? Oberflächlich geschaut: Ja! Aber die religiöse Erfahrung der Menschen über die Jahrhunderte zeigt uns, dass Gott keine anderen Augen, Ohren und Hände hat als unsere. Wir dürfen also nicht einfach dasitzen und denken: »Lieber Gott, mach mal schon«, sondern wir dürfen Gott unsere Fähig- und Fertigkeiten anbieten, damit seine Schöpfung vollkommen werde, ohne uns einzubilden, dass wir das aus uns heraus tun können.
Und das lässt Luther exemplarisch an Maria erkennen. Sie lobt und preist ihren Schöpfer, für den sie lebt, von dem sie weiß, dass er ihr Heil ist. Nicht, weil sie Mut gehabt hat zu Gottes Willen Ja zu sagen, wird sie auf Zukunft hin seliggepriesen, sondern weil Gott auf die Einfachheit der jüdischen Frau Maria geschaut hat; weil sie sich nicht einbildet, Großes zu vollbringen, indem sie Gottes Sohn zur Welt bringt sondern auf Gott vertraut, der schon wissen wird, wie das in der jüdischen Umwelt gehen wird, war sie doch nicht verheiratet. Maria erwartet von ihrem Gott alles. Deshalb ist ihre Seele voll Freude und jubelt laut. Und in diesem Glauben, in diesem Vertrauen bietet sie Gott ihre Fähig- und Fertigkeit an. Und wenn wir das Leben Mariens weiter in der Bibel betrachten, dann ist sie stets bei ihrem Sohn, um ihm zu Seite zu stehen. Nur einmal, so könnte man meinen, wurde sie schwach. Und zwar als sie vom Tempel nach Hause ziehen, müssen Maria und Josef Jesus suchen. Und als sie ihn finden, stellt Maria die Frage: Weißt du denn nicht, dass wir uns Sorgen gemacht haben? Aber die Antwort Jesus weist schon deutlich in die Richtung, auf die es ankommt: Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?
Ansonsten finden wir wenige Stelle in der Bibel, die von Maria sprechen. Für mich ist die zentrale Stelle, die die Rolle Mariens im Heilsplan Gottes unterstreicht, die bei der Hochzeit zu Kana: Als die Gastgeber keinen Wein mehr haben, sagt Maria zu den Dienern: Was er – Jesus – euch sagt, das tut. Sie weist auf ihn hin, von ihm dürfen wir alles erwarten, nicht von ihr. »Maria will nicht, dass du zu ihr kommst, aber durch sie zu Gott«.
Maria ist ein auf Gott hin durchsichtiges Leben gelungen, weil sie sich seiner Führung anvertraut hat. Sie weist mit ihren ganzen Leben auf den hin, der ihr Ursprung ist, und das nicht nur, weil sie Gottes Sohn zur Welt gebracht hat. Sie zeigt der Welt, den Menschen damals und heute, dass Gott seine Schöpfung liebt und mit ihr geht. Maria hat den Willen Gottes für sich erkannt und ihn gelebt. Diesen Willen gilt es auch für uns zu erkennen und zu erfüllen.


Stefan Langer, Pfarrer


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