Katholische Kirchengemeinde Pinneberg

Pfarrbrief »miteinander unterwegs«


Dezember 2017 / Januar 2018

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Elfchen und Collagen


Auch Traditionen wandeln sich mit der Zeit. Am letzten Septemberwochenende fuhren nicht mehr 60 Mitglieder des Familienkreises im Alter von 1 bis 50 nach Nütschau, sondern »nur« 22 nach Stapelfeld bei Cloppenburg in die katholische Akademie. Ein kurzfristiger Ausfall wurde durch Verwandtschaft aus Emsdetten ausgeglichen, aber unter 16 war niemand dabei und nach oben ragten wir schon ins Rentenalter. Auf dem Programm stand diesmal »Ich sehe etwas, was du auch siehst, Glauben und Kunst«. Durch das Programm des Wochenendes führte uns der »hauseigene« Referent und Kunsthistoriker der Akademie, Dr. Martin Feltes. Dieses begann nach dem Abendessen mit einer Vorstellungsrunde, zu der jeder auch etwas zu einem Kunstwerk sagte, welches er sich aus einem zentralen Stapel ausgewählt hatte. Schon bald stellte der Referent die Frage: Ist das jetzt Kunst oder kann das weg? Die Frage wurde kontrovers diskutiert, aber in dem anschließenden Vortrag wurden einige Hintergründe der diskutierten Kunstwerke erläutert, die die Perspektive deutlich veränderten. Zum Abschluss des Abends sangen wir noch einige NGL-Lieder mit Begleitung durch Keyboard und Querflöte. Nur ganz kurz ins Stübchen auf einen Wein oder ein kleines Bierchen, dann war wirklich Schluss.

Der nächste Morgen begann mit weiterer Vertiefung insbesondere in Bezug auf die Position der Kirche zur Kunst in der Moderne. Dann trafen wir uns in der nebenliegenden Kirche, um den dortigen, ziemlich neuen Kreuzweg zu betrachten (bis auf einen Kunstmuffel, der auch die Nachmittags-Session lieber im Krankenhaus verbrachte). Die 15 Stationen waren von zwei Künstlerinnen aus Niedersachsen vor Ort gemalt worden. Dazu war ein großer Raum in der Akademie zu einem Atelier umfunktioniert, zu dem die Gemeinde Zutritt hatte und so »life« die Entstehung der Bilder erleben konnte. Die Wünsche der Gemeinde und die Ideen der Künstlerinnen waren im Vorfeld diskutiert worden und die Gemeindemitglieder waren aufgefordert, ihre persönlichen Kreuzweg-Erfahrungen auf Seidenpapier niederzuschreiben. Diese Papiere waren nicht nur inhaltliche Inspiration, sondern wurden auch physisch in die Bilder eingearbeitet. Das Ergebnis war auf den ersten Blick nicht leicht zu verstehen, aber bei näherer Betrachtung sah man eine Vielzahl an Details, die sich unterschiedlich interpretieren ließen, aber auf alle einen tiefen Eindruck machten.Der Nachmittag war dann dem praktischen Teil gewidmet. Zu den einzelnen Stationen wurden verschiedene sogenannte »Elfchen« geschrieben, die die Eindrücke der verschiedenen Betrachter widerspiegelten. Außerdem entstanden verschiedene Werke als Verfremdung oder Collage mit den bereitgestellten Bildern von diversen Künstlern, aber auch den Kreuzwegbildern. Die Werke wurden kurz vorgestellt, dann gab es schon Abendessen. Beim anschließenden Gottesdienst in der Kirche betrachtete man die Kreuzwegbilder mit ganz anderen Augen. Der Abend endete in der Katakombe mit intensiver Diskussion des Erlebten.

Am nächsten Morgen wurden die Ergebnisse nochmals unter fachlicher Moderation diskutiert und die Zeit verflog sehr schnell. Nach dem Mittagessen hieß es Abschied nehmen, um noch vor Schließung der Wahllokale in Pinneberg zu sein, wenn man nicht »briefgewählt« hatte.

Die katholische Akademie offeriert eine Vielzahl an Programmen, bietet angenehme Unterkunft, gutes Essen und ein Schwimmbad. Insgesamt ein lohnendes Ziel, um einmal Abstand zu gewinnen und neue geistige Kraft zu schöpfen. Der Familienkreis hat wieder ein bereicherndes Wochenende in einer tollen Gemeinschaft erlebt.


Bernhard Felten




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