Katholische Kirchengemeinde Halstenbek

Pfarrbrief »miteinander unterwegs«


November 2016

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Spendenlauf 2016 – ansehnliches Ergebnis, ernüchternde Beteiligung


Der Spendenlauf vom 17. September in Halstenbek hat einen ansehnlichen Beitrag zur Orgelfinanzierung der Herz-Jesu-Kirche und zu der Vorschule des Straßenkinderprojekts in Maceió/Brasilien erbracht: Bis dato (14. Oktober) knapp 2 700 Euro an Zusagen und Spendeneingängen – ein angesichts der geringen Beteiligung gutes Ergebnis, das jedoch im Vergleich zu ähnlichen Aktionen vom Jahr 1994 (rund umgerechnet 8 000 Euro) und vom Jahr 2012 (4 000 Euro) stark zurückfiel.

Bemerkenswert bei der Aktion 2016 ist aber das außerordentliche Engagement Einzelner, die – von Orga-Team-Mitgliedern persönlich angesprochen – die Erwartungen übererfüllten und mehr als die Hälfte aller Spendenzusagen sowie Teilnehmer stellten:
Eine einzige Jugendliche fand 16 Sponsoren für 20 Flüchtlinge und organisierte letztere in vier »Teams«, die zusammen mit ihren deutschen Freunden über 100 Runden liefen und damit 820 Euro Spendenzusagen erhielten.
Eine Läuferin gewann in ihrem Arbeitsumfeld 22 Sponsoren und erlief allein in 15 Runden eine Summe von 810 Euro an Spendenzusagen.
Eine Familie beteiligte sich mit ihren vier Kindern, die zusammen 106 Runden liefen und eine Summe von über 265 Euro an Spendenzusagen ihrer Sponsoren zusammenbrachte.
Zwei über achtzigjährige Eheleute liefen insgesamt 23 Runden und sponserten zudem den Lauf eines weiteren Kindes.
Evangelische Pfadfinder legten zwei Tage nach der Veranstaltung nach: Während eine Gruppe auf dem Sportplatz insgesamt 130 Runden lief, sprach die andere Gruppe Passanten an, die spontan 291 Euro ausdrücklich für die Straßenkinder von Maceió zusagten.
Besonders hervorzuheben dabei ist die Rolle der Flüchtlingsteams, die mit ihrem Auftritt sowohl beim Spendenlauf als auch bei dem nebenan auf dem Rathausplatz veranstalteten Herbstfest des Halstenbeker Wirtschaftskreises ein beredtes Zeugnis für Solidarität und Integrationswillen an den Tag legten, nachdem sie unmittelbar vor der Eröffnung auf die Haupttribüne gerufen und dort vorgestellt wurden. »Nächstenliebe und Gottesliebe in einer Aktion zusammenbringen« – so stand es sinngemäß auf dem Flyer des Orga-Teams. Nach diesem Motto lief die Aktion dann auch.
Mit über 1 000 Flyern, die schwerpunktmäßig an Kindergärten, Schulen, Familienbildungsstätte, Bücherei, Volkshochschule und Geschäften verteilt wurden sowie mit zusätzlich mehr als 200 Infozetteln an Gottesdienstbesucher in Halstenbek und Pinneberg warb das Orga-Team für die Veranstaltung, teilweise auch mit persönlicher Ansprache; ein ausführlicher Vorausbericht war im Pinneberger Tageblatt am Montag vor dem Lauftag erschienen. Trotzdem: Gekommen sind nur 50 Personen, davon 48 auf den Sportplatz und zwei an die schöne Wanderstrecke, die von der Herz-Jesu-Kirche über Arche Noah, Krupunder See und Erlöserkirche zurück zum Friedrichshulder Weg führte. Dabei war die Mobilisierung von Helfern, Getränken und Snacks auf 200 Teilnehmer ausgelegt! Wie erklärt sich derartiges Auseinanderklaffen von Erwartungen und Wirklichkeit?
Zunächst einmal: Warum war die Erwartung für 2016 so hoch?
Weil im September 2016 zwei Wanderstrecken (wie 1994, als 220 Menschen teilnahmen) und ein Rundenlauf (wie 2012, mit 70 Teilnehmer) angeboten waren; damit war eine Erwartung von ca. 200 Menschen realistisch erschienen.
Sogleich aber: Warum ist es 2016 so krass anders gelaufen als 1994 (220 Teilnehmer) und 2012 (70 Teilnehmer)?
Bei einer von mir alsbald durchgeführten (nichtrepräsentativen) Blitzumfrage unter Nichtteilnehmern wurden folgende Gründe mindestens ein Mal genannt:

  1. »Mag nicht laufen«
  2. »Anderweitig verabredet« (Position mit den meisten Nennungen)
  3. »Kein Interesse«
  4. »Mir die Veranstaltung nicht/nur ungenügend bekannt war«
  5. »Ich für die Straßenkinder von Maceió genug gespendet habe«

Mein Kommentar dazu: Nicht zufällig war die Terminfrage für die meisten Nichtteilnehmer ausschlaggebend. Der Terminzwang, dem sich auch das Orga-Team ausgesetzt sah, war groß, die Gegenanstrengungen setzten sich nur teilweise durch: Der Umstand, dass die Veranstaltung am zweiten Samstag nach Wiederbeginn des Schulbetriebs stattfand, wirkte sich an allen Ecken und Enden negativ aus:
Zum einen beim Orga-Team selbst: für die operative Werbe- und Anwerbearbeit in den zwei Wochen nach Schulbeginn blieb wegen »anderweitiger Termine« lediglich ein Rumpf von 2 bis 4 Mitgliedern übrig – zu wenig für eine ausführliche, persönliche Kontaktnahme und gerade ausreichend für eine schriftliche Werbung über Flyer und Plakate.
Zum anderen bei der wichtigsten Zielgruppe, den Eltern mit Kindergarten- und Schulkindern: Sie über die sogenannte »Ranzenpost« zu erreichen, war ein vielversprechender Weg, der sich im Endeffekt als unzuverlässig erwies (bei einem Kindergarten blieben die Flyer gar in den Fächern liegen). Bei Schulen, wo die Ranzenpost funktionierte, blieb sie auf Grund der hektischen Aktionen vom Schuljahresbeginn wirkungslos, da für eine sportliche Veranstaltung wie die eines Spendenlaufs keine Zeit und Lust mehr übrigblieb.
Schließlich auch bei den Halstenbeker Gottesdienstbesuchern: Hier war die Teilnahme besonders bei denjenigen Engagierten ausgeschlossen, die sich für den gleichen Tag längerfristig anderweitig verpflichtet hatten.

Manche Beobachter vertreten zwar die Meinung, das Konzept selbst sei mit seinem Doppelzweck und der Ausführung als Doppelveranstaltung (Rundenlauf und Wandern) nicht gerade zielführend, die Werbung nicht hinreichend gewesen, die Bereitschaft überschätzt worden. Da ist durchaus was dran, und sicher muss dies neben der Terminfrage für künftige Planungen gründlich bedacht werden. Was die Zweckbindung angeht, ist allerdings anzumerken, dass mehrere Teilnehmer von der (nicht explizit angebotenen) Möglichkeit spontan Gebrauch gemacht haben, ausschließlich für einen der beiden Zwecke zu spenden. Durch die Bindung hat die höhere Akzeptanz des einen Zwecks (Straßenkinder) die geringere des anderen mehr als wettgemacht.
Mein Fazit: Die Aktion hat ihr finanzielles Ziel erreicht, wenn auch nicht in der erwarteten Höhe. Das Engagement Einzelner hat ein deutliches Zeichen für Solidarität und tatkräftigte Integrationspraxis gesetzt und damit die geringe Beteiligung qualitativ überkompensiert. Möge obige Analyse zur gebotenen Reflexion über Mängel, deren Ursachen und Zukunftsperspektiven gereichen.

Gilberto Calcagnotto




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