Nachrichten aus der Pfarrei St. Katharina von Alexandrien

Pfarrbrief »miteinander unterwegs«


Mai 2015

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Orgelwerk und »Werk Orgel« in St. Michael


Der Haselauer Organist Michael Horn-Antoni spielte am 15. März 2015 auf der Orgel in St. Michael Pinneberg zwölf eigene Improvisationen zur Passion, hauptsächlich über bekannte Kirchenlieder aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Den emotionalen Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss bildete eine Improvisation zu »O Haupt voll Blut und Wunden« von Hans Leo Haßler aus dem Jahr 1601.
Die im Jahre 2012 vom Orgelbaumeister Georg Schloetmann von der Firma E. Hammer, Hannover, fertiggestellte Orgel überraschte einmal mehr: Die Zuhörer, aber auch den Organisten, denn Michael Horn-Antoni präsentierte in seinem Benefizkonzert eine »ganz andere Orgel«. Alle waren begeistert. Das brachten sie in einem anschließenden spontanen Gespräch in kleinem Kreise zum Ausdruck. Dabei spielte das Wort »Werk«, im Bedeutungszusammenhang »Schwellwerk« der Orgel, eine große Rolle.
Wie viele andere Bedeutungen das Wort Werk aber außerdem haben kann, das wurde in diesem Gespräch deutlich. Fragt man das Lexikon, dann reichen diese Bedeutungen zum Beispiel von Fabrik/Anlage über Werkstück zu Handwerk, von Kunstwerk über Verdienst, Leistung bis hin zur Schöpfung. Welche Bedeutungen lassen sich auf unsere Orgel anwenden?
Herr Horn-Antoni ist sich sicher, dass diese Orgel ein »Kunst«werk ist. Sofort nach der Restaurierung wurde ihm der Unterschied zur alten Orgel deutlich, und er nahm sich vor, diese »schönste kleine Orgel, die ich kenne,« zum Klingen zu bringen. Er bot einen überaus facettenreichen, in keiner Weise ermüdenden oder gleichförmigen Klang in dem für die Passion angemessenen leisen Bereich und kontrastierte diesen mit durchaus beeindruckenden Steigerungen.
Ideal könne man dieser Orgel geradezu impressionistische Klangteppiche entlocken, besonders die Streicherstimmen der Register Salicional, Voix Celeste und Gambe seien wunderbar mischbar und erzeugten einen orchestralen, ja verhuschten Klang. Und praktisch jedes Register könne als ein mit dem Gesamtklang abgestimmtes Soloregister dienen.

Und dann das Schwellwerk, in dem die Register des zweiten Manuals untergebracht sind!
Wenn bei sehr großen Orgeln echte Fernwerke dafür sorgen, dass die Klänge sozusagen vom Kirchendach herunter rieseln, ändere sich bei unserer kleinen Orgel durch die geschlossenen Klappen dieser Anlage eben nicht nur die Lautstärke, sondern sie bekomme auch eine ätherische Wirkung. Es entwickele sich ein regelrecht himmlischer Klang. Selbst die Trompette klinge weich und warm, wenn sie solo gegen das leise registrierte Hauptwerk klagend, wie aus einem weit entfernten Raum kommend, rufe.
Auch das Handwerk des Orgelbaumeisters begeistert den Organisten. Die »Tricks« unserer Orgel habe Georg Schloetmann bei seiner Tätigkeit in der Pariser Kirche St. Marcel an der Orgel des lothringischen Orgelbauers Dalstein & Haerpfer kennengelernt, sie aber so modifiziert und verbessert, dass unsere Orgel, obwohl sie deutlich kleiner sei, fast mehr Möglichkeiten ¬beinhalte. Dass auch eine nicht sehr erfahrene Organistin oder auch ein Organist mit ersten Grundkenntnissen unsere Orgel bedienen könne, läge an zwei Spielhilfen, dem Choraltritt und an der Möglichkeit, den tiefen Subbass 16´ auch manualiter – das heißt nur mit den Händen – zu spielen.
Kunstwerk, Anlage, Handwerk und natürlich Leistung und Schöpfung des Orgelbauers! Nur des Orgelbauers? Wer fehlt zumindest bei Leistung oder Schöpfung?
Natürlich alle die Menschen, die das »Werk Orgel« auch mit geschaffen haben, die Planerinnen und Planer und Helferinnen und Helfer bei der Entscheidung und Durchführung, die Musikerinnen und Musiker und Tänzerinnen und Tänzer bei den Benefizveranstaltungen und die vielen, vielen großzügigen Spenderinnen und Spender in der Pfarrei und in der Ferne. Alle diese haben mit dem Orgelbauer gemeinsam das »Werk Orgel« geschaffen, und sie dürfen sich sehr freuen, wenn sie den Klang der Orgel genießen können und auch wenn sie miterleben, wie die Organisten dieses, ihr eigenes Werk, hochschätzen.
Und spätestens dann haben die Menschen unserer kleinen Pfarrei durchaus gute Gründe, stolz zu sein auf ihr gemeinsam geschaffenes »großes« Werk! Ob der Heilige Thomas von Aquin diesen so begründeten Stolz auch als eine »Wurzelsünde«, als ein »ungeordnetes Streben nach eigenem Herausragen« bezeichnen würde? Sicher nicht!



Walter Kosmale / Hendrik Schwager / Wolfgang Spautz


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