Nachrichten aus der Pfarrei St. Katharina von Alexandrien

Pfarrbrief »miteinander unterwegs«


November 2014

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»Oh Heilige Cäcilia! Die Orgel: Herrlich steht sie da!«


Renaissance-Benefiz der Tanzgruppe »Rossina«
Als sich die Gruppe »Rossina« nach ihrem ersten Tanzbenefiz für die Orgel in St. Michael verabschiedete, war klar, dass die damals gezeigten Rokokotänze nicht ohne Nachfolge bleiben könnten. Und wieder, jetzt nach fast genau zwei Jahren, erfüllte das Programm mit den 200 Jahre früher angesiedelten Tänzen die erwartungsvollen Besucherinnen und Besucher mit Begeisterung.
Geboten wurde keine aufgesetzte Performance. Das oberste Prinzip der Tanzmeisterin Frau Hoffmann-Cabenda und ihrer Gruppe nämlich ist es, die Tänze so authentisch wie möglich darzubieten. Grundlagen dazu sind historische Noten und Tanzschriften, museale Gemälde und vielfältige, häufig auch primäre Literatur.
So ging die Reise in das 15. und 16. Jahrhundert, eine Epoche, die wegen ihrer Besinnung auf die griechischen und römischen Ursprünge als Renaissance bezeichnet wird. Eine spannende Zeit, die durch Namen wie Leonardo da Vinci, Michelangelo und Shakespeare genau so gekennzeichnet ist wie durch die unterschiedlichen Konzepte des Humanisten Erasmus von Rotterdam oder des Staatsphilosophen Machiavelli. In der Musik entwickelt sich gegen den Widerstand der Kirche die Polyphonie, die »Vielstimmigkeit«, die nur durch Palestrinas listige Komposition »Missa Papae Macelli« dem päpstlichen Verbot entgangen sein soll.
Und im Tanz? Hier finden wir die ersten Aufzeichnungen der Schritte und der Bewegungen in den »Notationen« der alten Tanzmeister. Die Pavanen, Couranten und Gaillarden werden mit Cembalo, Geige, Flöte, Cello und Trommel begleitet, nicht mehr nur an den Höfen, sondern auch zunehmend im bürgerlichen Milieu. Wir finden prächtige Kostüme, mit denen die Damen und Herren sich im Tanz schmücken. Wir finden Notizen zu Gesellschaft und Tanz.
Das alles haben wir gefunden, nein, nicht im 15. Jahrhundert, sondern am 28. September 2014 im Gemeindehaus St. Michael, in originalgetreuer, vom kundigen »Zeremonienmeister« kommentierter Aufführung. Die Kostüme aus historischen Stoffen bis hin zur Anzahl der Falten getreu gefertigt, die Tänze präzise einstudiert, routiniert und mit Verve vorgetragen, Musik und Tanz sich gegenseitig befördernd.

Nur ein einziges Mal wich die Tanzgruppe »Rossina« vom Original ab: Bei dem Fackeltanz für den Erzherzog Albrecht von Österreich und seine Frau Isabella von Spanien am 18. 7. 1599 trug nicht, wie vorgeschrieben, Amor ein Lobgedicht vor, sondern Frau Charlotte von Trümmbach-Koppenburg rezitierte das von ihr verfasste erste und einzige Gedicht auf die Orgel zu St. Michael:

Oh Heilige Cäcilia!
Die Orgel: Herrlich steht sie da!
und atmet frei und ungestüm
zum herrlich-schönen Pfeifenspiel!
Spieltisch, Koppler und Register
sind besser nun, sagt der Magister.
Der neue Klang – französisch gar –
ist Labsal, himmlisch, wunderbar!
Ja, froh steht nun die ganze
Gemeinde hier in ihrem Glanze!
Möge diese Orgel nun
ihre Pflicht sehr lange tun!
Und mögen alle Nicht-so-Frommen
durch sie zum festen Glauben kommen!


Spontaner Szenenapplaus nach den einzelnen Tänzen, Musikstücken und diesem Gedicht und langanhaltender Schlussbeifall belohnte die neun Tänzerinnen und Tänzer und die vier Musikerinnen und Musiker. Die Besucher dieses »wirklichen Festes« spendeten für die Orgel in St. Michael 238,50 €. Ihnen und der Tanzgruppe »Rossina« sei ein herzliches Dankeschön ausgesprochen.



Walter Kosmale


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