Nachrichten aus der Pfarrei St. Katharina von Alexandrien

Pfarrbrief »miteinander unterwegs«


September 2013

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Vive la France in St. Michael


P. Reber Für den Orgelbauverein war es ein Wagnis, aber trotz hoher Temperaturen und der Mitte der Sommerferien kann man das jüngste Benefizkonzert mit zwei Worten charakterisieren: rundum gelungen.

Der Termin schien genial gewählt – am französischen Nationalfeiertag, dem 14. Juli, kam ein französischer Organist nach Pinneberg, um auf einer Orgel im Stil französischer Chororgeln französische Orgelmusik des 19., 20. und 21. Jahrhundert zu spielen. Pascal Reber ist Titularorganist am Straßburger Münster und besitzt als solcher das Recht, die große Münsterorgel mit 47 Registern und über 2.600 Pfeifen aus dem so genannten Schwalbennest – der Spielkanzel in einer der Seitenwände gut 20 Meter über den Gottesdienstbesuchern – zu spielen. Und auch die Chororgel im Münster hat mit 24 Registern einen erheblich größeren Umfang als unsere Orgel. Aber die Neukonzeptionierung durch Orgelbaumeister Georg Schloetmann reizte den erfahrenen elsässisch-französischen Meister, und so brachte er in Pinneberg Musik zu Gehör, die speziell in der Romantik von französischen Komponisten für Orgel und Orchester komponiert wurde.

Mit dem Choral in a-Moll von César Franck begann das Konzert im wahren Wortsinn fulminant. Schon bei diesem gut 15-minütigen Stück zeigte Reber, was in unserer »kleinen« Orgel steckt. Nach dem zu Unrecht im Schatten der berühmten Toccata stehenden Adagio aus der 5. Orgelsymphonie von Charles-Marie Widor und dem Impromptu von Luis Vierne – allesamt Musiker in der Tonsprache des späten 19. Jahrhunderts – kam es zu einer Reminiszenz an Norddeutschland: Die Fuge in C-Dur von Dietrich Buxtehude fiel als Stück der Barockzeit zwar zeitlich aus der Reihe – sie verband aber mit der für Buxte­hude typischen Spiritualität die Stücke der Romantik mit den nun folgenden der spätromantischen und expressionistischen Phase. Das Andantino und zwei kleine Orgelstücke von André Fleury erfüllten die Kirche mit nahezu sphärenhaften Klängen, die die Spiritualität des Ortes noch einmal besonders unterstrichen.

Mit einer eigenen Komposition, die an den spätmittelalterlichen Tanz einer Chaconne angelehnt war, leitete Pascal Reber über zum Höhe- und Schlusspunkt des Konzerts: Der Improvisation über den evangelischen Choral »Nun danket alle Gott«, dessen bekannteste Vertonung von Johann Sebastian Bach stammt, und einem Thema von Händel. Beide Themen hatte sich das Publikum zuvor wünschen können. Stilistisch ist es eine große Herausforderung, Musik so unterschiedlicher Komponisten zu vereinen, aber Pascal Reber schaffte dieses Kunststück mit einer begeisternden Ideenfülle.

Stürmischer Applaus der rund 60 Besucher und sogar ein vereinzeltes »Vive la France« unterstrichen, dass das Konzert, das mit Unterstützung von Georg Schloetmann stattgefunden hat, den Nerv der Zuhörer traf. Und auch Pascal Reber war voll des Lobes: »Eine wunderschöne kleine Orgel. Ich komme gerne wieder«.

Dank der großen Spendenbereitschaft konnte der Orgelbauverein erneut einen finanziellen Beitrag zu unserem Orgelbauprojekt verbuchen.



Peter Kleinort




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