Nachrichten aus der Pfarrei St. Katharina von Alexandrien

Pfarrbrief »miteinander unterwegs«


Juni 2009

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Nicht hinschauen?


Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand unserer Pfarrei rufen gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde Pinneberg und einem Bündnis gegen Rechts dazu auf, den ­Naziaufmarsch am 6. Juni in Pinneberg zu verbieten.

Die Nazis wollen mit ihren Parolen des Deutschtums und fremdenfeindlicher Hetze ganztägig durch die Stadt Pinneberg ziehen. Dadurch sollen alle Menschen, die nicht der arischen Rasse angehören, eingeschüchtert und vom öffentlichen Leben und nicht nur an diesem Tag! ausgeschlossen werden. Der Aufmarsch richtet sich insbesondere auch gegen die jüdische Gemeinde in Pinneberg sowie alle in der Stadt aktiven Religionsgemeinschaften.

Deshalb haben sich inzwischen sowohl der Kirchenkreis als auch die freikirchliche Gemeinde am Fahlt (EFG), die Lutherkirchengemeinde und die Christuskirche dem Aufruf angeschlossen. Der Kirchenvorstand der Christuskirche erklärt: »Der Kirchenvorstand lehnt eine Lehre, die sich auf heidnische und neugermanische Vorstellungen sowie auf eine Ideologie von Rasse, Blut und Boden beruft, als zutiefst unchristlich ab. Der Kirchenvorstand wendet sich gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung, gegen Hass und Gewalt.«

Thomas Drope, Probst des Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein, sagte ergänzend dazu in einem Interview mit NDR Info am 16. Mai, die Vergangenheit dürfe sich nicht wiederholen, dass Kirche sich nicht rechtzeitig gegen menschenfeindliche Propaganda richte. Sie müsse für die Menschen, die ihr anvertraut seien, aufstehen. Den Aufmarsch der Neonazis am 6. Juni hinzunehmen bedeute, faschistischem Gedankengut unwidersprochen Raum zu geben und die Angriffe von Neonazis auf unsere Mitbürger zu tolerieren.

In dem Aufruf heißt es deshalb: »Wir werden die Verbreitung und Verharmlosung neonazistischen Gedankenguts nicht tolerieren, denn wo Neonazis ohne gesellschaftlichen Widerspruch auftreten, breitet sich rassistisches und nationalistisches Gedankengut aus. Die Agitation gegen »Überfremdung« richtet sich gegen unsere ArbeitskollegInnen, gegen unsere FreundInnen und NachbarInnen, gegen Menschen, die Schutz vor Verfolgung und Diskriminierung suchen.«

»Ubi caritas deus ibi est« Wo die Nächstenliebe herrscht, da ist Gott unter uns. Das singen wir in den Gottesdiensten, und gerade eben noch wurde uns im Gottesdienst Gottes Wort hierzu ausgelegt. Jetzt kommt es darauf an, dieses Gottes- und Menschenbild auch in der Öffentlichkeit zu bezeugen! Ohne Wenn und Aber. Übrigens: 4 000 Katholiken auf einer Demonstration für Freiheitsrechte und Frieden der Menschen untereinander werden keine Gewalt gegen andere zulassen und garantieren der Versammlung einen friedlichen Ablauf, da bin ich mir sicher.

Da die Gerichte voraussichtlich erst unmittelbar vor dem Neonaziaufmarsch in Pinneberg über dessen Rechtmäßigkeit entscheiden werden, bitte ich Sie, sich auf jeden Fall mit mir am Samstag, dem 6. Juni, um 11 Uhr in der Piuskirche (oder um 11 Uhr in der Christuskirche an der Bahnhofstraße) zu einem Friedensgebet zu treffen und sich anschließend an einer Demonstration des Friedensnetzwerkes zu beteiligen. Die Demonstration gegen die Neonazis wird auf jeden Fall stattfinden. Es gilt, gewaltfrei unsere Solidarität mit der jüdischen Gemeinde zu zeigen. Machen Sie mit, um ein deutliches und friedliches Zeichen gegen Rechts zu setzen.

Diakon Guido Nowak



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